Einweihung der Gedenkstele für Robert Hartert in Wilsdruff
Wilsdruff, 27. Juni 2026. Es ist 10 Uhr morgens an einem der heißesten Tage des bisherigen Jahres. Doch die Bäume im Stadtpark Wilsdruff rund um den Sportparcours spenden dankbaren Schatten. Wir treffen als Erste vor Ort ein und blicken auf ein verhülltes Monument: groß, imposant und gleichzeitig ermahnend. Wir alle wissen ganz genau, warum wir heute hier zusammengekommen sind.
Nach und nach füllt sich der Platz. Die Menschen begrüßen sich, stellen sich einander vor und versammeln sich um das verhüllte Denkmal. Die Atmosphäre ist freundlich und vertraut, aber gleichzeitig von einer tiefen, spürbaren Innekehr geprägt. Heute ist ein ganz besonderer Tag, es ist der Tag, an dem die Gedenkstele für Robert Hartert enthüllt wird; und es ist Roberts Geburtstag.


Worte des Gedenkens und der Verantwortung
Herr Hahn, der Beigeordnete der Stadt Wilsdruff, ergreift als Erster das Wort. Er spricht über Roberts Bezug zur Stadt und darüber, was er über ihn erfahren hat als Menschen, als Bürger in Uniform, aber eben auch als Soldat und über die tragischen Ereignisse des 2. April 2010. Eindringlich betont er die Verantwortung des Nicht Vergessens und wie wichtig dieser öffentliche Gedenkplatz und die Stele für die Stadtgemeinschaft sind.
Anschließend hatte ich die Ehre, mich mit meinen Worten an die Gäste und Roberts Familie zu wenden. Mir war es ein tiefes Anliegen, ähnlich wie Herrn Hahn, zu signalisieren, wie essenziell solche Orte des Gedenkens und Innehaltens sind. Sie sind wichtig für die Familie, für Freunde und Kameraden, aber auch für alle Bürgerinnen und Bürger, die mehr über den Menschen Robert Hartert erfahren wollen.
Es geht hierbei um die Verantwortung von Bundeswehr, Politik und Gesellschaft. Mehr noch: eine Gedenkkultur im öffentlichen Raum außerhalb von Kasernenzäunen ist eine Verpflichtung für unsere Gesellschaft. Sie zeigt: Wir Soldaten sind ein Spiegelbild dieser Gesellschaft. Als Parlamentsarmee, beauftragt durch unseren Bundestag, geben wir im Ernstfall alles, um unser Land und unsere Gesellschaft zu schützen; in letzter Instanz auch unser Leben.



„Du bist nicht weg, du bist nur an einem anderen Ort“
Zuletzt ergriff „Schulle“ das Wort, Roberts alter Kamerad und Initiator des Goodfriday Battle. Er gratulierte Robert zu seinem Geburtstag und erklärte, welches bleibende Geschenk ihm an diesem Tag gemacht werden sollte. Schulle schwelgte in Erinnerungen an die gemeinsame Bundeswehrzeit sowie an private Momente. Er machte deutlich, wie sehr Robert von ihm und allen anderen vermisst wird. Seine bewegenden Worte berührten jeden auf dem Platz:
„Du bist nicht weg, du bist nur an einem anderen Ort, und wir werden uns wiedersehen.“
Umso erlösender war der Moment, als die Stele schließlich durch Herrn Hahn, Schulle und mich feierlich enthüllt wurde.
Vor uns zeigte sich ein imposantes Bild: groß, stark, kantig durch nichts zu erschüttern. „Genau wie Robert war„, so lautete die einhellige Meinung aller Anwesenden. Und genau das war das Ziel. In Gesprächen mit dem Steinmetz wurde deutlich, wie viel Herzblut, Energie und Spirit er im Gedenken an Robert in dieses Werk hat einfließen lassen. Große, kantige Marmorsteine mit einem Gewicht von über zwei Tonnen tragen ein Bronzeemblem mit Roberts Inschriften. Ein integrierter QR-Code ermöglicht es jedem Passanten, direkt vor Ort zu erfahren, wer Robert war, was Familie, Freunde und Kameraden über ihn sagen und was am Karfreitag 2010 in Afghanistan geschah.


Ein unerwarteter, tief bewegender Abschluss
Die Einweihung endete mit den ungeplanten, aber unendlich kostbaren Worten von Roberts Mutter. Sie ließ uns an ihrem nunmehr über 15 Jahre währenden Verlust teilhaben, sprach aber gleichzeitig ihre Hoffnung und ihren Dank darüber aus, dass das Andenken an ihren Sohn auf diese Weise aufrechterhalten wird.
Anschließend trafen wir uns alle auf Einladung von Herrn Hahn zu einem gemütlichen, aber auch nachdenklichen Beisammensein. Es wurden viele intensive und bewegende Gespräche geführt. Mich erfüllte dieser Nachmittag mit tiefer Dankbarkeit und Demut. Es macht mich stolz, dass wir von Veteranenkultur e.V. gemeinsam mit dem Team des Goodfriday Battle um Schulle, der Stadt Wilsdruff sowie allen Angehörigen und Kameraden dazu beitragen konnten, diese Gedenkstele im öffentlichen Raum zu realisieren. Ein Projekt mit Vorbildcharakter – ganz ähnlich wie in Bielefeld, wo die Gedenkstele für Martin Augustyniak steht und man über einen QR-Code ebenfalls seine Geschichte nachempfinden kann.

Ein Mahnmal gegen das Vergessen – Keine Heldenverehrung
Zum Schluss kamen mir viele Diskussionen in den Sinn, die wir als Kulturverein immer wieder mit kritischen Stimmen führen. Oft werden solche Stelen, die Umbenennung von Straßennamen oder die Benennung von Plätzen im öffentlichen Raum nach gefallenen Soldaten pauschal als „Heldenverehrung“ kritisiert.
Diese Definition kann und will ich nicht akzeptieren. Solche Orte dienen eben nicht der Glorifizierung. Sie sind Orte des Gedenkens und des Innehaltens – und gleichzeitig ein Mahnmal an unser Parlament und unsere Regierung, verantwortungsvoll mit der Macht über eine Parlamentsarmee umzugehen. Sie sind eine dauerhafte Erinnerung an die daraus resultierende Verpflichtung, diejenigen niemals zu vergessen, die ihr Leben im Dienst für unser Land gegeben haben.
Bilder: © Nihau Sun (Instagram)