Allgemein 25. Juli 2020

Glückwunsch an die ewig Gestrigen – #MarcelsKamerad

von Roman Bracht

Die „3 Likes Affäre“ um Oberstleutnant Marcel Bohnert

Faktenlage

Der (ehemalige) Social-Media-Leiter der Bundeswehr Oberstleutnant Bohnert, herzt drei bei Instagram rechtslastige Inhalte. Es ist ein der “Identitären Bewegung” nahestehender Account namens „incredible bramborska“. 

2015 hielt er einen Vortrag bei der Burschenschaft „Cimbria“, die als rechtslastig gilt. 

2014 referierte er zum Thema “Die Bundeswehr in Afghanistan” im Studienzentrums Weikersheim. Kritikern sehen dieses Zentrum als ein Instrument der Neuen Rechten an.

Was der Oberstleutnant Marcel Bohnert sagt: 

Gegenüber der BILD – Zeitung sagte Bohnert: „Ich distanziere mich von der ‚Identitären Bewegung‘ und allen Rechtsradikalen. Ich habe mit diesen Menschen und diesem Gedankengut nichts zu tun, ich habe keinen Kontakt zu Rechtsradikalen. Ich stehe selbstverständlich hinter unserer Verfassung. Ich habe sieben Bücher veröffentlicht, trete seit Jahren öffentlich auf und halte Vorträge – jeder der will, kann sich davon überzeugen, dass ich hinter unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung stehe. Und diese als Bürger in Uniform verteidige.“ 

An anderer Stelle sagt er, dass es ein großer Fehler war und naiv zu glauben, das der Post den er geliked hat in Ordnung ist. Es tue ihm leid.

Zum Kontakt mit dem Mann hinter dem Account sei es gekommen als er 2012 oder 2013, durch ein Treffen mit einem Schulfreund, ihn für eine Stunde getroffen hat. Mit dem besagten Kameraden war er, wie Bohnert 2010 im Einsatz und in schwere Gefechte verwickelt worden. 

Sein Auftrag:

Bohnert zeigt aktionsreich die Bundeswehr von einer jungen und attraktiven Seite. Die Art der  Werbekampagnen, die für den personellen Nachwuchs der Bundeswehr sorgen sollen. Dieser ging mit der Aussetzung der Wehrpflicht verloren. Natürlich lässt sich darüber streiten, wie die Bundeswehr sich hier verkauft, da sie die Sonnenseiten betont und die Schattenseite nur anreisst, wenn überhaupt.

Sein Kanal bei Instagram:

Darum ist es umso erfreulicher, dass Bohnert sich durchweg in seinem Kanal weltoffen zeigt und sich auch für Gleichberechtigung von Frauen und Minderheiten einsetzt. Selbstverständlich auch gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. 

Das in einem überdurchschnittlichen Maße, gerade weil er sich seiner Reichweite und dem Einfluss auf die junge Generation, durchaus bewusst ist.

Die Medien & “Alles-Richtig-Macher”

Wer ohne Schuld ist, der werfe den 1. Stein! Die verantwortlichen ARD-Journalisten mit eingeschlossen. 

Ja, es handelt sich um den Leiter der sozialen Medien der Bundeswehr und ja, er hätte es besser wissen müssen. Er kann nicht mit dem 08/15-User der sozialen Medien verglichen werden. Auch er ist keine Maschine und macht Fehler, die nun mal menschlich sind. Wenn man tausende Beiträge liked, werden darunter auch Beiträge sein, die man lieber nicht geliked hätte. Drei Likes von tausenden, sagen nichts über die Gesinnung eines Menschen aus. Dazu gehören auch die beiden oben genannten Veranstaltungen, zu denen er als Referent geladen war. Fehltritte, die in keinem Verhältnis zu den Konsequenzen stehen.

Unsere Bundesministerin für Verteidigung Annegret Kramp-Karrenbauer, verfolgt zurecht eine »absolute Null-Toleranz-Linie gegenüber Extremismus“ insbesondere, was rechte Tendenzen angeht«.

Warum schließt das auch die Versetzung nach einem solchen Fehltritt ein? Wäre es nicht eine richtungsweisende Chance zu zeigen, dass es zumindest den Willen einer nachhaltigen Fehlerkultur bei der Bundeswehr gibt? 

Welch hervorragende Signalkraft an aktive und zukünftige Soldaten wäre es, wenn man das Thema im fairen Diskurs angeht. Wenn man sich hinter den Soldaten stellt und ihm die Möglichkeit gibt, dies wieder gerade zu biegen. 

Kommt es zu einer endgültigen Versetzung auf einen anderen Dienstposten? Gibt man dann auch hier, den Vorverurteilung weiter nach? 

Wenn die Person Bohnert weiterhin zum Spielball politischer Kommunikation wird, gibt es auf beiden Seiten weitere Verlierer. Auf der Seite der Bundeswehr, die einen gewandten Offizier versetzt und auf der Seite der Kritiker, die sich durch ihre oberflächlichen und unwürdigen Recherchen und Vorverurteilungen ihre Ziele durchsetzen, dass es ihnen eigentlich selbst zu einfältig sein müsste. 

Wenn man sich die Publikation der beiden verantwortlichen ARD-Journalisten anschaut, meint man jedenfalls einen höheren journalistischen Anspruch zu erkennen, als sie in dieser Story suchen.

Man darf sich die berechtigten Fragen stellen…

… warum die “3 Likes Affäre” ausgerechnet dann hoch poppte, als vom  BMVg das neue Heimatschutzkonzept vorgestellt wurde? Die Frage, ob man schnell etwas finden musste, um die Stimmung gegen die Bundeswehr weiter anzuheizen und das Sommerloch zu füllen? 

Die interessantere Frage: Ist damit alles wieder gut, indem man versucht derartige Fehltritte so zu lösen? Oder fängt dann alles wieder von vorne an, nur mit jemanden, der sich in dem “Haifischbecken Soziale Medien” eher dem “Dienst nach Vorschrift” verpflichtet? 

Herzlichen Glückwunsch”…

…an alle, die die Bundeswehr mit Rassismus, sexuellen Belästigungen und Hitlergrüßen, verbinden. Glückwunsch für euren Schritt nach vorne, der näher betrachtet zwei Schritte zurück ist. 

Ihr, die Kritiker, die den Fall, die Versetzung und was auch immer als Genugtuung anseht, habt die “Welt nicht besser gemacht”. Ihr habt dafür gesorgt, dass ein kompetenter Offizier zu Fall gebracht wurde, der verfassungstreu und überdurchschnittlich sich für Vielfalt, Diversität und gegen Rassismus ausspricht. Jemanden der nicht zufällig und zurecht als Social-Media-Leiter platziert wurde – in einer Zeit in der es wichtiger denn je ist, zu Fremdenfeindlichkeit Position zu beziehen. 

Die Gewinner der Affäre sind die, die sich nicht vorstellen können, dass in der Bundeswehr die Gleichberechtigung gelebt wird und Rassismus (fast) kein Thema ist – in Relation zur Zivilgesellschaft. Die ewig Gestrigen, die sich sich insgeheim freuen wenn zukünftig ein Offizier die Leitung übernehmen würde, der sich nicht wie Oberstleutnant Marcel Bohnert für die o.g. Themen einsetzt und  das alte Feindbild “Bundeswehr” somit wieder passt. Wir von Veteranenkultur e.V. wissen, wie schwer sich Kritiker damit tun, ihre alten Feindbilder zu überprüfen.

Nebenbei betrachtet:

Ironischerweise gehört die Identitäre Bewegung, die rechtslastige Burschenschaft „Cimbria“ und den Studienzentrums Weikersheim nun auch zu den Gewinnern, da sie durch die Presse, erneute Aufmerksamkeit erhalten.

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