Bürger fragen – Einsatzveteranen antworten

Bürger fragen – Einsatzveteranen antworten

In dieser Rubrik können Sie Ihre Fragen an die Einsatzveteranen stellen. Manchmal gibt es Fragen die Einen beschäftigen und man gerne aus 1. Hand beantwortet haben möchte.

Hier werden aber auch Fragen der Einsatzveteranen an die Bevölkerung veröffentlicht.

Die neuen Fragen sind neu eingetroffen

Take your choise!

Miia fragt: “ Was könnte man im Umgang mit Veteranen verbessern?

Christophe antwortet: In Frankreich ist am 22.06.19 der offizielle „Verwundeten Tag der Armee“.
An diesem Tag wird in Frankreich an allen Verwundeten Kameraden der Armee gedacht. Hier geht auch die Armee an die Öffentlichkeit und ehrt die Verwundeten und lässt Sie nicht vergessen.
Ich selbst werde hier in Paris daran teilnehmen und auch an unseren verwundeten Kameraden in Deutschland ,die durch Ihre Verwundung leider für uns einen Schmerzhaften Weg gegangen sind, gedenken.
Ich hoffe, das es irgendwann auch bei uns, so einen Tag geben wird.

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Stefan antwortet: Ich glaube, dies ist die schwierigste Frage von allen. An zirka 362 Tagen möchte ich eigentlich nichts zum Thema Veteranen hören oder sehen. Der Tag 363 ist der zweite Samstag im September. Da verlegen wir zur Kranzniederlegung am Ehrenmal für die Gefallenen/Verstorbenen Soldaten aller NATO-Mitgliedsstaaten nach Calais in Frankreich. Der Tag 364 gehört meiner Veteranenvereinigung, dass heißt es ist Zeit für die Mitgliederversammlung. Und Tag 365 ist Weihnachten, da gedenke ich wiederrum der Gefallenen und der Versehrten aller Einsätze der Bundeswehr. Aber das ist alles Wunschdenken. Es vergeht kein Tag seit dem 23.11.1993, an dem ich nicht an das Erlebte zurückdenke. Es sind Gerüche, Geräusche und andere Wahrnehmungen die mich ständig daran erinnern. Und genau das ist das Wort, um das es geht: „Erinnerung“. Ich wünsche mir, dass die Damen und Herren Politiker in Berlin sich daran erinnern, dass sie uns in die Einsatzländer gesendet haben, mit dem klar definierten Auftrag mit der Waffe in der Hand Frieden zu schaffen und zu bewahren. Ich möchte, dass die Zivilbevölkerung, die diese Politiker durch Wahlen ins Amt gebracht hat, sich daran erinnert, dass WIR auch Söhne, Töchter, Mütter, Väter, Brüder und Schwestern sind. Nachbarn, Bekannte und Freunde und NICHT wie so häufig dargestellt Söldner und kriegsgeile Schießwütige. Wir dienen nicht den USA, oder der Wirtschaft. Wir dienen einer Gesellschaft, die uns bei jeder Möglichkeit verunglimpft, verspottet, beschimpft und missachtet. Freunde von mir kamen körperlich und mental versehrt aus dem Einsatz zurück. Sie müssen sich vor dem Staat rechtfertigen, wie und warum dies so passiert ist. In langwierigen Verfahren, die oft einer mentalen Vergewaltigung gleichkommen, werden sie mehrfach wiederholt mit dem Erlebten konfrontiert. Wenn man dann der Meinung ist, es ist tatsächlich auf den Einsatz zurückzuführen, erhält der Betroffene Soldat etwas Hilfe. Aber niemand ist nur Soldat. Er oder sie ist auch Bruder, Schwester oder Mutter..! Die Familien der Betroffenen stehen oft hilflos, teilweise selbst schwer traumatisiert daneben und versuchen alles um dem betroffenen Familienmitglied zu helfen. Nicht selten kollabiert die Familie und bricht auseinander. Dies sind aber Dinge und Sachverhalte, die Außenstehende nicht wahrnehmen, da sie im Verborgenen ablaufen. Und genau das wird durch die Damen und Herren Politiker auch so gewünscht. Für sie endet alles mit dem Tag der Entlassung des Soldaten oder mit ihrem Ausscheiden aus dem politischen Amt. Sie wollen sich nicht an ihre Verantwortung erinnern.
Deshalb finde ich, sollten unsere politischen Größen dazu gezwungen werden sich mit uns auseinander zu setzen, sich an uns zu erinnern. Dazu gehört es, das sie sehen, was aus den Einsatzveteranen geworden ist. Gedenk- oder Erinnerungstage, wie beispielsweise ein Veteranentag oder andere öffentliche Aktionen um an die Schicksale derer, die betroffen sind zu erinnern. Die Akzeptanz in der Öffentlichkeit werden wir nie erreichen, dazu ist es schon lange zu spät. Aber die Anerkennung durch unsere Politiker, die Überarbeitung der Anerkenntnisverfahren bei PTBS, Hilfen für die Familienangehörigen, auch wenn die greifbaren Auswirkungen erst viele Jahre später auftreten… das ist es, was ich mir wünsche.

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Detlef antwortet: Ich würde mir wünschen das die Bevölkerung in Deutschland sich für die Soldaten mit und ohne Einsatzerfahrung mehr interessieren würde. Ich möchte als Beispiel den feigen Anschlag auf den Bus des Fussballvereins Borussia Dortmund nennen. Es gab ein so großes Mediales Interesse insbesondere wie es den Fußball Stars mit diesen Erlebnissen wohl gehen würde und wie sie es verarbeiten würden. Viele Soldaten haben genau diese Erlaubnisse Tag täglich in den Einsatzgebieten nur wo ist hier das öffentliche Interesse . Wann redet man über uns in den Medien oder der Bevölkerung um ein breites Meinungsbild für die Bevölkerung ermöglichen zu können. Fast nie. Angebot entsteht durch Nachfrage und die Nachfrage nach Aufklärung der Öffentlichkeit was es bedeutet Soldat zu sein ist halt nicht groß genug. 

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Anonym fragt: „Was war nach den Einsätzen die größte Herausforderung? „

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Andreas antwortet: Das Gefühl und die Sicherheit zu bekommen zu haben wieder Zuhause zu sein und das Verständnis für die Probleme meiner Mitmenschen wieder zu erlangen.

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Stefan antwortet: Für mich war die Wiedereingliederung in den Regelalltag das schlimmste. Der Gang durch den Supermarkt, das Gehen durch ne Fußgängerzone in Deutschland war für viele Wochen ein Kulturschock. Das krampfhafte Verhalten von Freunden und der Familie, mir einen schönen Tag, oder einen angenehmen Alltag zu generieren war jedoch das schlimmste in den ersten Monaten. Unverständnis, Mißverständnisse und Angst vor Konflikten prägten das Miteinander in den ersten Monaten.

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Detlef antwortet: Meine Herausforderung war es nach jedem Einsatz Verständnis für meine Familie und Freunde und deren Probleme hier zuhause zu bekommen! Damit meine ich Dinge wie heute läuft ja überhaupt nix im Fernsehen,  warum sind sie Spritpreise grade so hoch, der Nachbar hat uns wiedermal zu geparkt. Also die alltäglichen Dingen die uns hier beschäftigen.  Wenn du aus dem Einsatz kommst wo du und auch die Zivilbevölkerung gerade in Kriegsgebieten täglich ums Überleben kämpfst mit Leid, Armut, tot und Verwundung umgehen muss fällt es einem mega schwer den Schalter in einem Bruchteil von Sekunden auf Frieden umzulegen. Der Kopf kommt da nicht mit in der ersten Zeit und dein Umfeld versteht nicht warum du für alltägliche Dinge die dich vor deinem Einsatz ebenfalls beschäftigt haben dir plötzlich nicht mehr wichtig sind.

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Moin zusammen, für mich war dieses prägende Erlebnis: 2 Wochen danach, im Einkaufsmarkt, ein Mädchen weinten wegen Bonbons. Ich bin innerlich aggressiv geworden und hätte ihr am liebsten eine gegeben, weil sie für so ein „scheiss“ weinte. Mittlerweile habe ich solche Emotionen nicht mehr so stark, aber ich kann es immer noch nicht ab wenn manche Menschen auf hohem Niveau rum jammern.

Ich habe zum Glück in einer Therapie gelernt damit umzugehen 💪

VG Christian

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Anonym fragt: “ Würdet Ihr wieder in einen Einsatz gehen? „

Stefan antwortet: Unabhängig davon, dass meine Familie nicht mehr gehen lassen würde, unabhängig davon, dass der Truppenpsychologe mich nicht mehr gehen lassen würde…. ja. Alleine um mit meinen Kameraden nochmal das jetzt fehlende Gefühl der Zusammengehörigkeit und des Zusammenhalts zu erleben, das wäre es mir wert.

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Sven antwortet: Für mich selbst sag ich ja ich würde wieder in den Einsatz wenn ich dürfte. Ich denke das er sehr vielen so geht.
Aber meine Familie geht vor, deshalb nein.

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Daniel antwortet:“ Guten Tag, ja ich würde, wenn ich noch Soldat wäre sofort wieder in den Einsatz gehen. Keine Frage es war nicht alles schön da unten, aber diese Kameradschaft die man dort kennenlernt gibt es nirgendwo“

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Christine fragt: “ Warum seid Ihr zur Bundeswehr gegangen, was hat euch dazu bewogen?“

Stefan antwortet: Als Kind habe ich im Sportverein Kameradschaft, Disziplin und Gemeinschaftsinn erlebt. Dies, gepaart mit dem Interesse am militärischen Leben bewogen 1991 in die Bundeswehr einzutreten. Zu diesem Zeitpunkt dachte noch niemand an Auslandseinsätze. Dementsprechend groß war die Euphorie, als es 1993 nach Somalia ging. Von da an änderte sich das Militärleben komplett, es war nicht besser, nur anders.

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Reinhard antwortet: Habe mich nach meiner Ausbildung zum Koch direkt als Zeitsoldat beworben, wurde allerdings zur Infanterie eingezogen. Nach dem Wechsel zur Panzertruppe zum Unteroffizier/Kommandant Leopard 1 ausgebildet. Eine Weiterverpflichtung war nur bei einem Wechsel zu den Feldjägern/Militärpolizei möglich. Nach der Ausbildung zum Feldwebel mein Einsatz als Blauhelm Soldat in Mogadischu. Später ging ich für einige Jahre als Personenschützer ins NATO Hauptquartier Brüssel. Von meinen knapp 12 Jahren aktiver Dienstzeit habe ich fast 4 Jahre im Ausland verbracht, habe viele Ecken der Welt gesehen, schöne und weniger schöne. Ich habe die Kameradschaft unter uns Soldaten kennen und schätzen gelernt, die es in der zivilen Welt kaum gibt, wenn man Polizei/Feuerwehr ausnimmt. Mir wurden Werte wie Pünktlichkeit, Verantwortungsbewusstsein, Durchhaltewillen, Treue und Pflichtbewusstsein vermittelt. Ich hatte eine tolle Zeit bei der Bundeswehr, habe die Härten und Gefahren als etwas positives erlebt, die mich zu einem anderem Menschen gemacht haben.

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Daniel antwortet: Hallo Christine, also bei war es so. Ich habe damals eine Ausbildung gemacht und wurde danach nicht übernommen, nach ca 6 Monaten der Arbeitslosigkeit (schreckliche Zeit) meinte mein Vater zu mir ich sollte doch vll. mal mit dem Gedanken Bundeswehr spielen, dann fiel uns wieder ei,n dass damals der Einberufungsbescheid verschoben wurde, da ich in einer Ausbildung war. Ja ein paar Anrufe später und nach der Musterung war ich dann Soldat 😅, erst für 9 Monate also für den Grundwehrdienst, danach habe ich auf 4 Jahre verlängert und danach nochmal auf insgesamt 8 Jahre. Ich bereue nix, die Zeit war mega und ich kann es jedem nur empfehlen.

Glück ab

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Hallo,

mich bewegten verschiedene Dinge zur Bundeswehr zu gehen und mich direkt als Soldat auf Zeit zu verpflichten. Zum einen war da das starke Interesse an der Militärtechnik, speziell an Panzerfahrzeugen. Geprägt wurde dieses Interesse wohl schon in Kindheitstagen durch meinen Vater, der selbst Soldat auf Zeit in der Panzertruppe gewesen ist. Auch deswegen spielte wohl der Traditionsgedanke eine Rolle bei meiner Entscheidung. 
Mir war von Anfang an bewusst, das ich wahrscheinlich an Auslandseinsätzen teilnehmen würde und auch diese Tatsache floss in meine Entscheidung mit ein, genauso wie die Hoffnung die Lage für manche Menschen verbessern zu können.


Viele Grüße

Claus 

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