Allgemein 10. Januar 2020

Zwischen den Welten – Kampf und Krampf im Alltag

von Steffi Küsters

Als deutsche Staatsbürgerin in Uniform bin ich Teil der deutschen Gesellschaft und somit auch des politischen Systems. Vor allem aber bin ich ein Mensch, Mutter, Tochter, Kameradin und Freundin. Die aktuelle Lage stellt sich als Konfliktsituation heraus, die mich in meiner persönlichen Einstellung insofern einschränkt, dass ich mir über mein Handeln und Aussagen im Umgang mit meinem Umfeld Gedanken machen muss. Das Umfeld bezieht sich auf meine Gemeinde, in der mein Kind aufwächst und in der ich mich nach meinem Dienst umgebe.

Einfache Fragen, wie „Fahre ich nach Dienst in Uniform nach Hause, um noch Besorgungen zu machen?“, stellen sich als innere Unstimmigkeit heraus.

Als Mutter bin ich verantwortlich dafür, dass mein Kind unbeschwert und in Zufriedenheit groß wird. Als Soldatin bin ich stolz auf meine Uniform und vertrete die Grundprinzipien im Rahmen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland sowie den Auftrag und die Aufgaben der Bundeswehr, die gemäß Weißbuch 2016 (vgl. Weißbuch 2016: „Zur Sicherheitspolitik und zur Zukunft der Bundeswehr“) festgeschrieben sind.

Bild: Steffi Küsters

Ein Beruf, der nach außen durch Uniformen sichtbar ist, steht der Gesellschaft also transparent gegenüber. Jedoch ist in den letzten Jahren ein Wandel zu erkennen, der sich gegen Menschen in Uniform richtet (inbegriffen auch Polizei, Feuerwehr, Rettungskräfte). Gewaltübergriffe und Beschimpfungen nehmen zu, bis hin zu tödlichen Angriffen, wird gegen die Menschen gehetzt, die für den Schutz aller Bürger zuständig sind, die in diesem Land leben. Die Frage, ob ich also das Lieblingsessen meines Kindes in Uniform oder Zivilbekleidung nach Dienst noch schnell besorge, ist vollumfänglich gerechtfertigt. Denn ich muss damit rechnen Opfer eines Übergriffs, beschimpft oder bespuckt zu werden.

Geschehnisse, die ich meinem Kind gegenüber rechtfertigen muss.

Ich berichte Ihnen gern von einem Erlebnis, welches sich vor 3 Jahren ereignet hat. Mein Kind wurde als Lügner betitelt, weil es für die Mitschüler unvorstellbar und zu weit hergeholt klang, dass die Mutter Soldatin ist. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Ein Kind (damals 6 Jahre jung) wird der Lüge bezichtigt, weil der Soldatenberuf scheinbar eine Erfindung ist.

Zwischen Spielen wie Fortnite und anderen Ego-Shooter stellen Kinder die Aussage anderer in Frage. Kinder, die in einer Flut an Computerspielen aufwachsen. Soldaten sind in deren Welt nur Figuren in Cyberspace, weil die Erwachsenen versäumen, darüber aufzuklären. Mein Handeln war klar. Ich hole mein Kind das nächste Mal in Uniform ab, freitags direkt nach dem Unterricht, damit ALLE es sehen. Alles geklärt, dachte ich. Denkste! Nun kämpfe ich damit, dass man ihm nachsagt, seine Mutter würde sich doch mit dem Schießen und Töten auskennen. Wenn ihr jetzt denkt, dass würden die Eltern sagen, liegt ihr falsch. Das sind Aussagen der Mitschüler.

Bild: Steffi Küsters

Unsere Kinder sind die Erwachsenen und Vorbilder der Zukunft.

Ziel muss es sein, das Zusammenleben durch Wertschätzung und Respekt sicherzustellen und den Umgang mit ehemaligen und aktiven Soldaten und Soldatinnen sowie Veteranen und Veteraninnen maßgeblich zu verbessern. In Zeiten, in denen sie mit Bildern des Krieges konfrontiert sind, ist es eine Pflicht Aufklärung zu betreiben und sie nicht in einem rosaroten Schlaraffenland aufwachsen zu lassen.

Sie haben nur eine Zukunft und wir sind verantwortlich diese zu sichern.

Und ich gehe dennoch freitags auf unseren kleinen Wochenmarkt und kaufe den leckeren Eiersalat. In Uniform.

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