Der stellvertretende Vorsitzende

Roman Bracht

Die Erfahrungen meiner achtjährigen Dienstzeit bei der Bundeswehr und der Gespräche im persönlichem Umfeld (u.a. bei meinem Projekt 80mm), konnte ich einen deutlichen Unmut über die mangelnde Aufarbeitung von Auslandseinsätzen, sowie die fehlende Aufmerksamkeit gegenüber Einsatzveteranen bzw. Veteranen wahrnehmen. Hier besteht auf Ebene der Politik und der Bundeswehr, aber auch in der Zivilgesellschaft einiges an Nachholbedarf.            

Aus dem demokratischen Verständnis heraus, brachte ich mit Cäcilie Breithecker Veteranenkultur an den Start, woraus schließlich der Verein Veteranenkultur e.V. entstand. Am 16.11.2019 wählten mich die Gründungsmitglieder zum stellvertretenden Vorsitzenden von Veteranenkultur e.V., was ich dankend annahm. Für eine offene Veteranenkultur stehe ich ein, bei denen auch kritische Positionen einbezogen werden. Dies ist, meiner Meinung nach eine Voraussetzung, um eine nachhaltige gesellschaftliche positive Veränderungen für das Thema rund um unsere Bundeswehr und unseren Soldaten und Veteranen, zu bewirken. Ziel ist, einen gemeinsamen Konsens zu finden, um zum Beispiel Übergriffigkeiten, wie Störungen bei Gedenkveranstaltungen, etwas entgegen zu setzen.

Dazu möchte ich alle politischen Positionen, innerhalb unserer Verfassung, einbinden und einladen.

Denn nur eine aus der Mitte der Gesellschaft umspannende Veteranenkultur, mit gesellschaftlicher Tragfähigkeit, schließt das Vakuum zwischen Militär und Gesellschaft glaubwürdig.

Jeder mag seine eigene Vorstellung mitbringen, wie eine Veteranenkultur aussehen kann. Die Veteranenverbände leben bereits eine Veteranenkultur und doch fehlt meist an Verknüpfungen, die in die Zivilgesellschaft mit einfließen. Hier geht es darum, den Blickwinkel der gegenüberliegenden Position kennen zu lernen und respektieren zu können. 

Auch wenn Deutschland aus geschichtlichen Gründen nur schwer in die Auseinandersetzung kommt, steht die folgende Frage im Raum:

Welchen Preis zahlt eine Zivilgesellschaft für ihr “freundliches Desinteresse” zu dem Thema?

Ein Beispiel: Allein schon aus Eigeninteresse sollte sich die Zivilgesellschaft der Reintegration der über 400.000 Einsatzveteranen widmen. Auf finanzieller Ebene findet dies mittlerweile teilweise statt. Es werden für Einsatzveteranen sowie deren Angehörige (seit 2018) immer mehr Therapiemöglichkeiten und Therapieplätze angeboten. Der Erfahrungsaustausch auf bürgerlicher Ebene, kommt allerdings deutlich zu kurz und damit werden Chancen für eine verantwortungsbewußte Aufarbeitung vergeben.

Bei einer unvollständigen Reintegration steigt außerdem das nicht abzuschätzende Risiko der Co-Traumen, die wissenschaftlich bewiesen bis in die vierte Generation übertragbar sind.

Es gibt viele Beispiele, bei denen man die fehlende Auseinandersetzung und ihre Konsequenz erfährt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dem potentiellen Mitgestalter, eine neugierige Haltung zu dem Thema und eine wertschätzende (auch) zu sich selber. Seien Sie es sich wert, Vorurteile zu überdenken, sie gegebenenfalls abzubauen und hinter die Kulissen zu schauen.

Mit erwartungsvollen Grüßen

Roman Bracht

Das Beste zuletzt unser Kassenwart

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