Allgemein 29. März 2020

Von Veteran zu Veteran – Brief von einem Kameraden

von Veteranenkultur e.V.

Als Reaktion auf den Artikel vom 20.06.2019 „Wer es mehr verdient hat, ein Veteran zu sein„, erhielt der Autor Detlef Förster, einen handgeschriebenen Brief vom Onkel seiner Frau, Hans-Paul P., ein Veteran und Kamerad der ersten Generation. Dieser Brief zeigt die Verbundenheit und das Verständnis der alten Veteranen, für die junge Generation. Nach Rücksprache mit dem Verfasser, möchten wir diesen Brief veröffentlichen.

Lieber Detlef,

ich habe deinen Bericht auf Facebook aufmerksam und mit großem Interesse gelesen. Dabei musste ich als alter Bundeswehrsoldat, der sich jetzt schon 30 Jahre im Ruhestand befindet, an meine Dienstzeit von 1959 bis 1990 (32 Jahre) ganz intensiv denken. Dabei haben sich die wichtigsten Stationen meiner Laufbahn, nämlich die Zeit als PzGrenZgFhr (mot) in Göttingen und die Zeit als Innendienstleiter einer Offizier- und Reserveoffiziersinspektion an der STTrf/FsHt in Aachen, als Berufssoldat sehr geprägt.

Wenn es auch für andere Kameraden etwas fremd klingen mag, ich war Soldat:“mit Leib und Seele!“

Das spiegelt sich bis auf den heutigen Tag wieder, in dem ich noch sämtliche Treffen der Unteroffizierskameradschaft, Ehemaligentreffen und sonstige Veranstaltungen besuche. Einfach, weil ich meinen Lebensweg als Soldat soviel zu verdanken habe. Dabei lag natürlich der Schwerpunkt meiner Betrachtung in der Kameradschaft. Wenn wir auch , und hier muss ich die Zeit als PzGrenZgFhr(mot) hervorheben, bis an die körperliche Belastungsgrenze Kraftanstrengungen auf Übungen, Manöver u.a. ausgesetzt waren, so kann ich es nicht damit gleichsetzen, was ein Teil der Soldaten in Auslandseinsätzen durchstehen mussten.

Vollstes Verständnis kann ich auch für viele der Kameraden aufbringen, die nach Beendigung ihres Einsatzes, nicht nur körperliche sondern auch seelische Schäden davon getragen haben, womit sie noch viele Jahre sich auseinander zusetzen haben. Ich persönlich bin sehr dankbar dafür, dass ich nicht in die Situation gekommen bin, an solchen Auslandseinsätzen teilnehmen zu müssen. Unter der Prämisse:

“Ich bin Soldat geworden, um Kriege zu verhindern“, ist mein Plan glücklicherweise aufgegangen.

Aber die Welt hat sich verändert und vieles was früher undenkbar war, ist heute Normalität geworden.

Dabei sind die heutigen Bundeswehreinsätze im Ausland leider Realität geworden. Nochmals gesagt, ich bin sehr froh darüber, dass ich dieses Szenario nicht mehr erleben musste. Kaum vorstellbar für mich, wenn ich gerade noch mit meinem Kameraden kommuniziert hätte und ein Bruchteil später, war es das letzte Mal. Nicht nachvollziehbar für mich, mit meinem Kameraden über Gott und die Welt zu sprechen und wenig später wäre er zum Krüppel geschossen worden. Furchtbar für mich, mit ansehen zu müssen, dass mein Kamerad durch Kriegserlebnisse ein völlig andersdenkender Mensch geworden ist. So ließen sich noch viele andere Szenarien aufzählen, die uns Menschen völlig verändern können.

Um so mehr müssen wir alle daran arbeiten und allen Betroffenen die nötige Hilfestellung leisten, um unsere Kameraden halbwegs wieder in die Normalität zu verhelfen. Hier ist jeder angesprochen, insbesondere aber unser Staat. In diesem Sinne, wünsche ich mir, dass mehr Normalität, mehr Verständnis untereinander und Friedenswille unter den Völkern, auf dieser eigentlich so schönen Welt herrschen würde.

Liebe Grüße dein „Onkel“ und Kamerad Paul

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