Allgemein 5. Januar 2020

Veteranenkultur – unverkrampft und locker

von Volker Lehmann

Der Beruf des Soldaten unterscheidet sich deutlich von den üblichen Zivilberufen unserer Arbeitswelt. Ein Soldat setzt sich mit seiner Gesundheit und seinem Leben im In- und Ausland, für die Sicherheit anderer Menschen ein. Dabei ist die Gefahr im Ausland seine Gesundheit und Leben im Dienst zu beeinträchtigen, um ein vielfaches größer. Zivile Berufsbilder wie Polizist, Feuerwehrmann, Rettungssanitäter etc., lassen sich mit dem Berufsbild Soldat, im Bezug auf Einsatz der Gesundheit und Leben, für die Allgemeinheit vergleichen. Der Respekt und die Anerkennung für diese Berufsgruppen wurde in unserem Lande jahrzehntelang nicht sonderlich gefördert. Wie Beispiele aus jüngster Vergangenheit immer wieder aufzeigen, ist eine Zunahme von Respektlosigkeit und Gewalt gegen Einsatzkräfte zu verzeichnen. Im Bezug auf Soldatinnen und Soldaten, hat das Urteil bezügl. „Soldaten sind Mörder“ zusätzlich die ohnehin vorhandene Kluft zwischen Bundeswehr und Gesellschaft, in negativer Hinsicht gefördert. Kritiker der Bundeswehr, erhielten dadurch eine juristische Bestätigung in ihren Aussagen.

Eine Veteranenkultur ist wichtig in unserem Lande und ein unverkrampftes Verhältnis zur Bundeswehr, Veteranen und Reservisten.

Erst in den letzten Jahren hat mit einigen guten Ansätzen, ein Umdenkprozess stattgefunden. In den Bundesministerien und Kommunen wird man sich langsam der Verantwortung bewusst. So konnte zum Beispiel das Gedenken an den gefallenen Soldaten Martin Augustyniak in Bielefeld zu einer öffentlichen Sichtbarmachung beitragen. Die Bezirksregierung der Stadt Bielefeld stimmte dem Antrag einer Bürgerinitiative zu und setzte somit ein Zeichen. Ein Meilenstein in der Gedenkkultur. Die Benennung von Straßen nach gefallenen Kameraden, tragen ebenso dazu bei. Der Memorial Run in Berlin und andere Veranstaltungen erhalten immer mehr Aufmerksamkeit.

Bild: Detlef Förster

In Hinblick auf die Politik, wäre eine Gedenkstunde im Bundestag und ein Bekenntnis zur Parlamentsarmee notwendig. Eine offizielle Teilnahme von politischer Ebene, an den Gedenkveranstaltungen der Veteranenorganisationen, ist ein deutliches Zeichen, an die Zivilgesellschaft „Wir stehen zu unseren Soldatinnen und Soldaten“. Ein wichtiger Schritt ist die Einführung eines unabhängigen Veteranentages, welchen man gemeinsam mit der Zivilgesellschaft begeht. Was unserer Zivilgesellschaft noch schwer fällt, wird auf internationaler Ebene bereits praktiziert. Eine Parade der Natopartner unter Einbezug der Veteranen, z.b. als „Marsch der Verbundenheit“ in Berlin, würde ein Zeichen von internationalem Zusammenhalt und Völkerverständigung setzten und dabei helfen das Bild der Bundeswehr in der öffentlichen Wahrnehmung zu verändern. Leider sind die gedanklichen Verknüpfungen innerhalb der Gesellschaft zum Großteil noch an die Wehrmacht gebunden. Unsere Bundeswehr hat damit nichts mehr zu tun und sollte auch so vertreten werden.

Im Umgang mit Einsatzveteranen und deren Versorgung, können wir von unseren internationalen Partnern lernen.

Bild: Roman Bracht

Zwar wird die Versorgung von Einsatzrückkehrern ständig verbessert, jedoch in Ländern wie Großbritannien, Frankreich oder den USA ist man in der Umsetzung einer Veteranenkultur bereits fortgeschritten. Hier steht der Erfahrungsaustausch, wie man mit versehrten Kameraden mit PTBS und anderen Leiden umgeht und wie man besser helfen kann im Vordergrund. Der Umgang mit den Einsatzrückkehrern an Flughäfen, bedarf deutlicher Verbesserung. Statt einer heimlichen Ausschleusung durch den Hinterausgang, darf man diesen Menschen nach der harten Zeit, mehr Wertschätzung übermitteln. Sie wurden von der Gesellschaft in diese Einsätze geschickt und das bedarf einer Würdigung und Danksagung. Die Einrichtung eines Sozialfonds, nach Vorbild des Poppy Appeal in Großbritannien wäre ein Beispiel. Die Veteranenvereine sollten nach dem Vorbild des Poppy Appeals der Royal British Legio, bundesweit unterstützt werden. Zur staatlichen Hilfe möge dieser Fond durch jährliche Spendenaktionen im ganzen Land aufgefüllt werden und nach Bedürftigkeit der einzelnen Schicksale eingesetzt werden. Eine öffentliche finanzielle Förderung von Veteranenarbeit ist dringend von Nöten. Die Einrichtung von staatlicher Förderung aus Bund, Länder und Kommunen, steht noch aus. Vereine und gemeinnützige Organisationen, die gute Arbeit leisten, sind noch zu sehr in Abhängig von Spenden und belasten die wertvolle Vereinsarbeit.

Bild: Claus Junger

In jungen Jahren ein Bewusstsein entwickeln

Im Rahmen der politischen Bildung an Schulen, ist die authentische Vermittlung des Soldatenberufes und dessen möglichen Folgen förderlich. Dabei geht es nicht um Werbung für den Arbeitgeber Bundeswehr sondern, um das Verständnis des Berufes und der demokratischen Legitimation der Parlamentsarmee und die daraus resultierende Verantwortung.

Ein sehr wichtiger Aspekt ist die Sensibilisierung des zivilen Arbeitsmarktes im Umgang und der Vermittlung von ehemaligen Soldaten. Diese Menschen haben ein Recht auf Arbeit , auch wenn sie traumatisiert aus den Einsätzen zurückkehren. Eine geschulte und besondere Ansprechstelle in der Arbeitsagentur oder dem Jobcenter sind dringend umzusetzen. Dem öffentlichen Dienst und der freien Wirtschaft, stehen mit den ehemaligen Soldaten, zuverlässige Mitarbeiter zur Verfügung, die geschult in Disziplin sind und gemeinsamer Einsatz für ein Ziel kennen. Leider schreckt man noch zu sehr davor zurück.

Man könnte weiter fortsetzen und vielleicht sind diese Visionen und Ideen noch zu verfrüht für eine Gesellschaft, die ihren Mitbürgern in Uniform, noch mit großem Vorbehalt gegenübersteht.

Wichtig ist, wir reden gemeinsam drüber, um einen Konsens zu finden.

Volker Lehmann OSG d.R. und Chairman der Royal British Legion Gütersloh

Kommentare 4
  • Bei über zweihundert Gefallenen Kameraden bei Auslandseinsätzen erwarte zumindest ich das die Führung den Politikern in den Ar… tritt, und endlich auch in Deutschland ein Feiertag für Kameraden die im Kriegseinsatz von uns gegangen sind erhoben wird.

    Es ist beschämend das Jahrzehnte nach dem zweiten Weltkrieg immer noch politisch Verantwortliche gegen Interessen Deutschlands handeln.

    Als ehemaliger Fallschirmjäger erwarte ich Menschen mit Ehre im Leib. Treue um Treue wurde und wird gelebt zu unserem Deutschland, der Flagge, und erst recht zu Veteranen und Reservisten

    • Lieber Kamerad Andreas Winkler,

      durch den Memorialrun, dem Marsch der Verbundenheit / Marsch der Erinnerung wird unser Land mehr und mehr für unser Anliegen -Veteranentag- sensibilisiert.Bis sich etwas groß verändert, dauert es einige Zeit.Du kennst die Menschen.

      Es liegt bei uns allen unsere Volksvertretern für einen Veteranentag, eine Gedenkstunde im Bundestag zu sensibilisieren. Die Veteranenkultur ist mit anderen Vereinigungen an dem Thema dran. Wenn Du mit Deinen Kameraden in Deinem Heimatort auf die zuständigen Wahlkreisabgeordneten des Bundestages triffst, mach Ihnen klar wie wichtig solch ein Gedenkakt für unsere Veteranen, gefallene Kameradinnen und Kameraden, aktiven Soldaten und Reservisten ist. Steter Tropfen höhlt den Stein. Weitermachen mit Wendung. Woll! Dir ein herzliches Glück ab!

  • Hallo Andreas,
    Ja einen Veteranentag ist einer unsere wichtigsten Ziele, wie der Veteranenausweis.

    Da wir als Recondo Vets MMC mit im Veteranenrat des Bundesministeriums der Verteidigung sitzen und auch beratend tätig sind. Sind wir dran, am 08.01.2020 war der zweite Sitzungstag im BMVg und es wird einen Veteranentag kommen.

    Der internationale Veteranentag das viele anderen Länder am 11.November Feiern wird es leider in Deutschland nicht sein, dafür ist dieser Tag durch Karneval nicht passend. Es wird nach einem passenden Tag gesucht, aber es wird ihn geben nur wann, dazu kann ich noch nichts sagen.

    Beim Veteranenausweis wir es noch lange dauern… es wäre kein Mehrwert zu erkennen. Aber da sind wir mit einem privaten Verein dran… VeteranID e.V. ist direkt nach dem 08.01.2020 online gegangen, da es damit zu rechnen war, das es aus dem BMVg eine Absage geben wird … http://www.veteranenausweis.de

    Wenn nicht die Bundeswehr dafür sorgt, einen Veteranenausweis zu bringen, dann machen es die Veteranen.

  • Moin Cowboy,

    Andere Armeen haben eine Veteranen- ID. Siehe British Army. Die Formulare muss man dann beim MOD in London ordern, oder über die Royal British Legion in den UK – Branches. Es dauert halt alles etwas länger. Schön dass Ihr an dem Thema dran bleibt.

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