Aktion, Allgemein, Gedenken, Mitmachen 30. Oktober 2019

Sternmarsch 2020 – Posttraumatische Belastungsstörung ein Schatten unserer Gesellschaft

von Cäcilie Breithecker

Seit fast 60 Jahren ist die Bundeswehr in verschiedenen Auslandseinsätzen aktiv. Waren es bis 1992 humanitäre Einsätze wie nach z.B. Naturkatastrophen, Flugzeugabstürze etc., findet sich die Bundeswehr seit 1992, immer häufiger in militärischen Aufgabengebieten wieder.

Eines haben diese Einsätze gemeinsam – sie fordern ihre Opfer.

Von den aktuell 111 gefallenen und verstorbenen Soldaten, fielen 37 von ihnen durch Fremdeinwirkung. Unter den weit mehr als 400000 Einsatzrückkehrern, Soldaten die an einem Auslandseinsatz teilgenommen haben, befindet sich eine nicht real bezifferte Anzahl von Einsatzveteranen, die traumatisiert aus diesen zurückkehren.

Dunkelziffer für psychische Störungen bei Soldaten nach Bundeswehreinsätzen im Ausland liegt bei fast 50 Prozent

TU-Dresden

Diese variieren in ihren Ausprägungen von leicht bis sehr ausgeprägt. Die stärkste Form unter ihnen ist die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Eine heimtückische Erkrankung, dem Einsatzrückkehrer selten direkt bewusst. Der Einsatz hinterlässt tiefe Spuren bei den Frauen und Männern, die demokratisch legitimiert in diese Einsätze geschickt werden. Mitunter dauert es einige Jahre bis sie feststellen , dass der erlebte Krieg und die Erfahrungen noch in einem selbst „aktiv“ sind und als schwere Last auf den Schultern liegen. Sie bestimmen den Alltag von Betroffenen und ihren Angehörigen.

PTBS – Ein ungezwungenes Erleben des Alltags scheint plötzlich nicht mehr möglich.

Ständiges Absichern der Umgebung und Ausschau halten nach potentiellen Bedrohungen fesseln den Einsatzrückkehrer in ständiger Alarmbereitschaft und in einer Notfallprogrammierung: Der Gang durch eine Menschenmenge, eine Mülltüte am Straßenrand, in der sich ein Sprengstoffsatz verbergen kann, ein unerwartetes Geräusch, wie ein platzender Luftballon und ausgelassene Kinder auf dem Kindergeburtstag, das Feuerwerk zu Neujahr, der Duft von gegrilltem Fleisch oder der am Seitenstreifen liegende Autoreifen.

Ein Leben zwischen Flashback und Realität


All das sind Situationen, die den Einsatzrückkehrer innerhalb von Sekunden wieder in das Kriegsgebiet zurückschicken – sie erfahren einen sogenannten „Flashback“. Menschen aus der Zivilgesellschaft erleben solche Ereignisse in der Regel unproblematisch, für den Einsatzveteran fühlen sie sich in diesem Moment wie eine Bedrohung von Leib und Leben an.

Neben diesen schwerwiegenden Problemen einer PTBS, sieht er sich und auch seine Angehörigen, zusätzlich mit der Ablehnung und dem Unverständnis der Zivilgesellschaft konfrontiert, sofern diese überhaupt Notiz von ihnen nimmt. Ein Mangel an Informationspolitik seitens der Regierung sowie ein Desinteresse der Gesellschaft gegenüber einem unbequemen Thema, lassen diese traumatisierten Menschen als Schatten unserer Demokratie zurück.

Sternmarsch 2020 gegen das Vergessen

Die Sichtbarmachung dieses gesellschaftlichen Schattens, hat sich Alexander Sedlak zur Aufgabe gemacht. Bereits 2017 marschierte er gemeinsam mit seinem Hund Bruno, 750 km quer durch die Republik mit dem Ziel, die erkrankten Kameraden aus ihrer Unsichtbarkeit zu holen. Der von einer PTBS Betroffene, sagt zu seiner Motivation: „Wenn Du an das glaubst, was Du tust, kannst Du Großes erreichen! Ich möchte das Thema Veteranen weiter auf die Straße bringen und für das Gedenken und gegen das Vergessen marschieren. Da der Spendenmarsch großen Anklang in der Bevölkerung fand, möchte ich den Marsch fortführen und hoffentlich am Ende, dem Bund Deutscher EinsatzVeteranen e.V. eine beachtliche Spendensumme übergeben können, die der Veteranenhilfe zugute kommt.“

Gemeinsam im Team organisiert er nun den Sternmarsch 2020 gegen das Vergessen. Vom 14.04.2020 marschieren fünf Teams sternenförmig, aus allen vier Himmelsrichtungen, auf das Mühlhäuser Kriegerehrenmal in Thüringen zu. Am Ende des Marsches werden so ca. 1610 km zusammenkommen. Jedes Team wird davon, aufgeteilt in 14 Tagesetappen, durchschnittlich 322km zurücklegen.

Jenni Bruns Mitorganisatorin und Teilnehmerin, erklärt zu den organisatorischen Herausforderungen: “Unsere größte Herausforderung wird die Unterbringung der Teilnehmer in den jeweiligen Ortschaften sein.“

„Gleichzeitig ist es oftmals berührend, zu sehen, wie viel positive Unterstützung wir erhalten. Dies motiviert, um am Ball zu bleiben.“

Jenni Bruns

Auf die Frage, inwiefern das Projekt bereits Unterstützung aus der Zivilgesellschaft erhält, sagt sie: “Wir schreiben derzeit die Gemeinden an, um diese zu informieren und gleichzeitig um Unterstützung zu bitten.“ und fügt hinzu: „Einige Reservistenkameradschaften, sowie auch BürgermeisterInnen der Städte und Gemeinden und auch Teile der Bundeswehr sind dem Projekt positiv zugewandt und haben schon ihre Unterstützung zugesagt. Dank Olaf H., der uns eine Spende zur Verfügung stellte, war es zum Beispiel machbar, die Flyer und Poster in den Druck zu geben. Nicht zu vergessen, die Community in den sozialen Medien. Da wir dies ehrenamtlich tun und uns keinerlei finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, sind wir über jede Hilfe dankbar.“

Einladung zum Dialog

Der Sternmarsch lädt nicht nur aktive und ehemalige Soldaten dazu ein, gegen das Vergessen zu marschieren, er öffnet sich im Gegensatz zu anderen organisierten Märschen, auch für die Zivilgesellschaft. Er schafft einen gemeinsamen Raum, sich für ein gesellschaftliches Miteinander einzusetzen.

Als Bürger der Zivilgesellschaft, können wir die Bereitschaft und Einladung zum Dialog wertschätzen und dankend annehmen oder weiterhin die Augen verschließen.

Sternmarsch 2020 im Web und auf Social Media

Facebook

Instagram

Internet

Spendenkonto

Alexander Sedlak

Volksbank Breisgau-Markgräflerland

IBAN: DE03 6806 1505 0070 7453 13

BIC: GENODE61IHR

Verwendungszweck: „Spende Sternmarsch 2020“ oder „Sponsor Sternmarsch 2020“

Gelder, die unter „Sponsor Sternmarsch 2020“ einfließen, werden für Werbemittel, Verpflegung, Transportkosten, evtl. Ausrüstung genutzt

Jede Spende geht zu 100% an den Bund Deutscher EinsatzVeteranen e.V.

www.betterplace.org/de/projects/70717-sternmarsch-zum-gedenken-und-gegendas-vergessen

Kommentare 8
  • Sollte der Marsch über landau in der Pfalz führen bin ich gerne bereit das Gäste Bett fteizuhalten.
    Und ich würde sogar einige km mit Marschieren

  • Gerne wäre ich dabei, auch weil mich dieses Thema selbst betrifft und 2010 auch für mich ein sehr bewegendes Jahr war. Meine Tochter hat zu Beginn des Sternenmarsches Geburtstag und daher könnte ich zu Beginn nicht dabei sein aber ich finde es toll das es sowas gibt und gern bin ich bereit zu begleiten, sofern ich das gesundheitlich schaffe.

    Beste Grüße
    ,,Samson“ Nickname

  • Bei mir ist die Tür auch offen für euch

    • Hallo! Herzlichen Dank für das Angebot. Bitte richten Sie es an die Organisatoren des Sternmarsch zum Abgleich ob es auf der Strecke liegt mfg Cäcilie Breithecker

  • In Grevenbroich ist eine Übernachtung möglich!

    Semper Communis

  • Bin kein BW Angehöriger! Aber ein Freiwilliger Feuerwehrmann der selbst an ptbs Erkrankt ist. Ich würde gerne mit euch Maschieren wenn das möglich ist.

    • Hallo Lars
      Danke für dein Interesse zur Teilnahme an dem Marsch.
      Wir haben deine Anfrage an das Organisationsteam des Sternenmarsch weitergeleitet, diese werden mit Dir Kontakt aufnehmen.

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