Allgemein, Gedenken 28. Juni 2019

Martin Augustyniak – Ein Ehrenmal betritt den öffentlichen Raum

von Cäcilie Breithecker

Ein Stein kann uns viele Geschichten verraten, nicht nur woher er kommt und welchen Weg er im Laufe der Jahre zurücklegte, von seiner Wandlung und den Werkzeugen, welche ihn zu einem Ehrenmal formten. Er berichtet uns auch die Geschichte eines Menschen, dessen Namen er trägt.

Es gibt nun einen Stein, der öffentlich die Geschichte von Martin Augustyniak erzählt.

Einem Mann dessen Herz für Arminia Bielefeld schlug und der am liebsten dass Bigos seiner Mutter verspeiste.

Am 02.04.2010 verstarb der Hauptgefreite Martin Augustyniak, während des sogenannten Karfreitagsgefechtes, Nähe der Stadt Kundus in Afghanistan. Ein mutiger Mann, der für seine Einheit alles gab und keinen Moment davor zögerte, einen verwundeten Kameraden aus der Schusslinie zu ziehen. Gemeinsam mit Hauptfeldwebel Nils Bruns und dem Stabsgefreiten Robert Hartert, fiel er an diesem Tag einer Sprengfalle zum Opfer.

Martin Augustyniak gefallen am 02.04.2010 in Afghanistan

Mehr als neun Jahre nach seinem Tod, wurde in Bielefeld-Brackweede das Ehrenmal für den gefallenen Soldaten Martin Augustyniak, in das Fundament gesetzt.

Nach monatelangem Ringen auf politischer Ebene wurde der Bürgerantrag, initiiert durch Ursula Wolf, der Mutter des Verstorbenen und Herrn Volker Lehmann, einem OSG der Reserve und Förderer des Volksbundes, positiv entschieden und kam heute zu seiner Ausführung.

Unter den 30 Gästen befanden sich Vertreter aus der Lokalpolitik, darunter der Brackweeder Bezirksbürgermeister Peter Diekmann und Mitglieder der Reservistenvereinigungen. Als Unterstützer waren der Combat Veteran e.V., vertreten durch Herrn Böckling, Herr Christian Faul Vizechef des Reservistenverbandes sowie die Firma Kohlschmidt vor Ort. Das Ehrenmal wurde von der Firma Kohlschmidt gestiftet und umgesetzt. Aus Seedorf reisten die Kameraden und Vorgesetzten des 31. Fallschirmjägerregimentes an, der Einheit in der Martin Augustyniak bis zu seinem Tode diente.

Von Seiten des Bundesverteidigungsministeriums, nahm auch bei dieser Veranstaltung wie so oft, kein Vertreter teil.

Nach den Begrüßungsworten und einer Ansprache durch Volker Lehmann, wurde das „Glory, Glory, Hallelujah „ in einer Textumwandlung von Volker Lehman und in musikalischer Begleitung, durch Manuela Heinrich vorgetragen. Abschließend erklang durch das Akkordeon die Melodie „Vom Guten Kameraden“. Eine würdevolle Veranstaltung, welche die Menschen berührte.

Hier in Bielefeld-Brackwede wird nun öffentlich und für eine lange Zeit, die Geschichte von einem jungen Menschen erzählt, welcher für die Gesellschaft und im Auftrag dieser in den Einsatz nach Afghanistan ging und dort sein Leben verlor.

Zum Ersten Mal betritt ein Ehrenmal dieser Art, für einen gefallenen Bundeswehr Soldaten den öffentlichen Raum.

Der Platz auf dem das Ehrenmal errichtet wurde, soll zukünftig den Namen „Martin Augustyniak Platz“ tragen. Ein Meilenstein in der Geschichte der Gedenkkultur für gefallene Soldaten der Bundeswehr.

Bundes und Lokalpolitiker hadern und verweigern sich seit Jahrzehnten, einer öffentlichen Gedenkkultur. Einer Gedenkkultur, welche nicht versteckt hinter Kasernentoren, sondern in aller Öffentlichkeit stattfindet. Ein Ort der zur Besinnung und zum Nachdenken anregt. Ein Ehrenmal im öffentlichen Raum, erzählt nicht nur die Geschichte eines Menschen, sondern es ruft auch Fragen bei den Betrachtern hervor. Fragen, vor deren Beantwortung man sich auf Regierungsebene noch scheut.

Es bleiben über 110 weitere Geschichten, welche es verdienen, erzählt zu werden.

Einen Leitfaden zur Umsetzung einer Gedenkstätte im öffentlichen Raum finden Sie hier

Kommentare 9
  • Danke kann ich nur sagen… Danke für alle beteiligten die dieses ermöglicht haben, Danke. Danke, den anwesenden die vor Ort waren und dem Kameraden, in das Licht der Wertschätzung und Anerkennung gerückt haben, Danke. Meine Worte die sich ans BMVg richten, haben das Wort „Danke“ nicht verdient, hier ist das Wort „Peinlich“ besser aufgehoben. Peinlich das keiner der Damen und Herren aus dem BMVg vor Ort waren, Peinlich was die Wertschätzung und die Anerkennung des Kameraden angeht, was aus dem BMVg kommt, was ist der Leitfaden der Veteranen Wert, der mit diesen Worten prallt … „nichts… so peinlich“

  • Das ist eine Anerkennung, wie unsere Soldaten es verdient haben!!!

    • Es erfüllt mich mit Stolz (da ich selbst Soldat bin) wenn meinen gefallenen Kameraden in dieser Art und Weise gedacht wird. Ich bin mir aber sicher, wenn die verantwortliche Stelle im BMVg davon Kenntnis gehabt hätte, wäre eine kleine Anordnung vor Ort gewesen! Es ist immer leicht negativ zu schreiben. Die Art bzw. Form des Gedenkens liegt in der Hand der Stadt bzw. ist Ländersache!

  • Es gibt nichts trauriges im Leben als einen geliebten Sohn, Freund, Kamerad zu verlieren.
    Leider sieht man in dieser Fall wie Wertschätzung aussieht. Ein Mann der alles für sein Land gegeben hat im Rahmen des Auftrages der von der Politik erteilt worden ist. Leider bis in den Tod, da ihm ein anderes Leben genauso wichtig war wie sein eigenes.
    Beschämend das hier kein Vertreter des BMVg sich blicken lassen hat.

  • Du bist für immer Teil unserer großen Familie, darum unvergessen.

    Es tut mir weh, so vielen Kameraden nur in Gedanken sagen zu können wie gerne ich mit ihnen über Gott und die Welt reden würde, zum Abschied einen Handschlag oder eine kameradschaftliche Umarmung spüren würde, wie sehr sie der Gemeinschaft fehlen.

    Danke, Kamerad!
    Wir trauern, aber wir vergessen nicht…

  • UNSEREN SOLDATEN GEBÜHRT MEHR ANERKENNUNG UND RESPEKT.

    SEHR GUT DAS EHRENMAL.

  • Dieser Karfreitag bleibt mir immer in Erinnerung, so wie die gefallen Kameraden an diesen Tag.
    Wir haben alle an dieser Evakuierung‘s Mission Beteiligten Kräfte unser bestes gegeben.
    Wie Tag täglich das der Fall ist!

    Die Knappen Neun Stunden Gefecht an diesen Tag waren selbst für mich und meinem International gemischtes Team eine große Ehre mit solch tapferen und kompetenten Soldaten an der Seite den Tag zu bestreiten.
    Auch wenn mittlerweile unzählige Gefechte gemeistert wurden, so bleiben die einen oder anderen immer in Erinnerung

    Ruhet in Frieden meine Kameraden

  • Mein Dank auch im Namen von Ursula und Lothar Wolf gilt allen Mitwirkenden zur Realisierung des Gedenkplatzes für HG Martin Augustyniak sei es den Vertretern der Lokalpolitik, dem Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr: Christian Faul, Adrian Korff, Adrian Stein,Herwart und Marie Therese Brockmann,Peter Schmidt und Peter Düphans Combat Veteran e.V, Christophe Böckling, Alex Loher und Vorstand Versehrtenverein FUAV Warendorf,Major Stephan Wüsthof und Vorstand, HFW Holger Berghaus, allen Kameraden aus Seedorf mit HFW Axel LHammers und STFW Andreas Stühlmeyer, unserem Stifter der Gedenkbank Ulli Galling mit seinem kompetenten Team . Ebenfalls danke ich Jutta Galling, Cäcillie Bereithäcker von der Veteranenkultur für den guten Artikel und Begleitung am 27.06 in Bielefeld, auch die Veteranenkultur trägt mit ihrer Arbeit zur einer Verbesserung der Veteranenrolle wie der Combatveteran e.V und alle übrigen Organisationen in der Öffentlichkeit bei. Auch möchte ich mich bei meiner Freundin Manuela Heinrich bedanken, die uns musikalisch mit ihrem Akkordeon( Ich hatt einen Kameraden, Hymne der Solidarität) und klaren Stimme unterstützt hatte. Es war schon ein rührender Moment als alle Kameraden bei der dritten Strophe unseres Solidaritätsliedes( International/ Text in Englisch/)im Gedenken an die gefallenen Kameraden die Barette abnahmen. „Berets down for our fallen comrades, we´ll never forget your names.“ Und gesprochenes Gebet)Ihre Sopranstimme als ausgebildete Sängerin verlieh den musikalischen Beiträgen eine ganz würdevolle Note. „Liebe Manu, vielen Dank!“

  • Bleibt am Ende nur noch das Stoßgebet, daß dieses Ehrenmal die nächsten Zeiten überdauert und nicht so endet, wie viele der Denkmäler vergangener Waffengänge.
    Ich befürchte, daß späterhin auch die „Einsätze“ unserer Eliten auf (grundsätzliche) Rechtmäßigkeit hin überprüft werden könnten und somit schlußendlich auch die von der Politik für ihre Interessen geopferten Soldaten, wie ja schon alles vorgekommen hierzulande, im Nachhinein pauschal verunglimpft und alle Denkmäler etc. … verschwinden werden.

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